5. Februar 2014

Von Walkingstöcken und Grenzerfahrungen

Als meine Mutter mich ein paar Tage vor meinem Geburtstag zu meinen Geschenkewünschen befragte, warf ich so eben dieses und jenes in den Raum, winkte dabei hier und da ab, weil es doch ein bisschen teuer wäre und endete mit dem scheinbar außergewöhnlichen Wunsch nach ein paar Walkingstöcken. Die Außergewöhnlichkeit entnahm ich ihrem schmunzelnden Blick, der zu sagen schien: 
'Wie? Walkingstöcke? Tennisschläger und Bälle ja, aber Waaaalkingstöcke?'
Ich antworte ihr mit einen ebenso verschmitzten Lächeln, das eindeutig verkündete: 
'Ach komm, Du hast doch eh schon ein Geschenk. Ich kenn Dich doch. Du kaufst doch nicht drei Tage vorher erst ein. Und nur für den Fall: ja, Walkingstöcke, bitte!'
Damit war die Wunschlistenbesprechung beendet und zu meiner Überraschung gab es tatsächlich ein schickes Paar Walkingstöcke zu meinem Jahrestag.

10. gedanklicher Einschub: Die Walkingstöcke sollten eine geniale Alternative zu meiner  morgendlichen Plackerei am Strand sein. Ich gebe ja gern zu, dass Joggen für mich eher Folter ist und ich mich nach 100m schon frage, was das eigentlich soll. Es tut hier weh und da weh und ich keuche wie eine alte Frau. Und von der Schönheit der Natur bleibt nur eine Fläche von etwa 2qm übrig, in der sich mein Schatten bewegt und auf die meine Augen starr gerichtet ist. Das war's dann mit Meer. 

Wie auch immer! Ich war auf der Suche nach einer Kombination aus genussvollem Strandspaziergang und sportlicher Betätigung. Was liegt da näher als Walking? 
Am 1. Weihnachtsfeiertag weihte ich also meine neuen Bewegungshelfer ein und bereute es auf der Stelle. Nicht wegen des Walkens an sich, sondern weil ich doch tatsächlich der Illusionen erlegen war, am 1. Weihnachtsfeiertag die einsamen Weiten des schönen Ostseestrandes so richtig geniessen zu können. Diese Idee hatten nur scheinbar Massen anderer Leute auf der Suche nach etwas frischer Luft an den üppigen Feiertagen auch. Mein erster Walkingausflug wurde also zum Hindernislauf zwischen schwarzen Mänteln und schreienden Kleinkindern. Ganz großes Kino! 
Wieder zu Hause angekommen stellte ich die Stöcke in die Ecke, wo sie bis Mitte Januar mit Nichtachtung gestraft wurden. Jaaaaa, ich weiß, die Stöcken können nichts dafür. Aber scheinbar hatte mein Oberstübchen Walking bereits mit Menschenmassen verknüpft, was mir nach reiflicher Überlegung auch als unbedingt korrigierenswert erschien. 
Ich beschloss also meinen Tag hin und wieder mit einen sportlichen Strandgang zu beginnen und schon das erste Mal war großartig. Kein Mensch weit und breit und irgendwie lief es sich gut und sonderbar leicht. Mit soviel Schwung macht es auch gar nichts aus, die Strecke um ein paar hundert Meter zu verlängern...dachte ich noch als mir plötzlich klar wurde: Mist, ich habe Rückenwind. Die detaillierte Schilderung meiner Gedankengänge während des Rückwegs erspare ich Euch gern. 
Jedenfalls habe ich recht schnell und unter Beachtung der aktuellen Wetter- und Windverhältnisse viel Freunde am Walking entwickelt. Und es ist auch einfach unglaublich schön morgens am Strand.

Und weil ich ab und an etwas Motivation brauche, habe ich mich einfach mit Usedoms Nordic Walking Instructor No. 1 verabredet. Christine Zornow gehört ohne Zweifel zu Usedoms coolen Leuten. Nicht nur weil sie gern und viel walkt und anderen das richtige Walken beibringt, sondern auch weil sie einer der wenigen Menschen auf der Insel ist, die die Grenznähe mit all ihren Möglichkeiten lebt. Von ihr habe ich zum Beispiel erfahren, dass es in Swinemünde einen Walkingclub gibt, dem auch Insulaner von der deutschen Seite angehören. Christine ist Dolmetscherin und somit ein perfektes Bindeglied zwischen zwei immer noch fremden Länden. Ich weiß nicht, wie es kommt, aber auch in mir ist die Grenze zu Polen noch immer eine Grenze im Denken. Und die Gespräche mit Christine weichen diese Grenze zunehmend auf. Aber dazu ein anderes Mal mehr. 

Jetzt möchte ich Euch viel lieber Christines großartige Bilder von unserer Walkingtour heute morgen zeigen. Ganz viel Meer und Eis und ein so schöner Sonnenaufgang. Viel Spaß und sollte jemand von Euch Lust auf Nordic Walking gekommen haben, einfach mal hier schauen und mitkommen.

Fotos © Christine Zornow - www.nordic-walking-usedom.de



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